| Impressionen aus dem Schulleben

Una nox Silvobscurae

„Was würdest du tun, wenn du dich nach dem Erwachen inmitten der wütenden Gemeinschaft eines lateinischen Düsterwaldes befändest und dich vor der Anschuldigung, ein Werwolf zu sein, verteidigen müsstest?“

Dieser und ähnlichen existenziellen Frage mussten sich die Klassen S 3A und S 3B stellen, als sie die lateinische Version des beliebten Werwolf-Rollenspiels (Lycanthropus) in Angriff nahmen. Und plötzlich wird es eine Frage von Leben und Tod, bestimmte Konstruktionen aus dem Lateinunterricht ins Gedächtnis zu rufen: Wie war das noch mal mit dem AcI? … Marcus putare esse … is lycanthropus puto … – ah, ja, genau: eum lycanthropum esse puto... – Schade – zu spät, die Gemeinschaft hat bereits für die Hinrichtung abgestimmt und keine Beteuerung reicht mehr aus, um die eigene Unschuld glaubhaft zu machen.

Und wie kann ich die Gruppe zu etwas auffordern, z.B. zur schnelleren Abstimmung? War das der iussivus oder der hortativus? Oder was hat der narrator etwa mit dem Gerundium + causa wohl meinen können? Und wie waren noch mal die lateinischen Namen von Seherin, Hexe, Heiler … und Amor? Gut, spätestens beim Letzteren müsste der einen oder dem anderen ein Licht oder zumindest ein Schmunzeln aufgegangen sein… 

Schließlich siegt beim Übersetzen immer die Trägheit, wenn ein Wort einfach übernommen werden kann – auch wenn servus im Lateinischen keinen Gruß darstellt. Aber manchmal ist man eben wie vor den Kopf geschlagen … oder einfach nur … der lupus in fabula.